Spielregeln des Kurierschach

Grundstellung des Kurierschach

Die Spielregeln der in Ströbeck geübten Form des Kurierspiels hat Gustavus Selenus in dem ersten deutschen Schachlehrbuch, das im Jahr 1616 erschien, beschrieben. Beide Spieler verfügen auf dem erweiterten Brett über jeweils 24 Spielfiguren, die wie beim Schach auf den ersten beiden Reihen postiert sind. Hinter den zwölf Bauern stehen auf der ersten Reihe von links nach rechts: Turm, Springer, Alfil („der Alte“ genannt), Kurier, Mann, König, Königin, Schleich, Kurier, Alfil, Springer und Turm.

Neben dem Kurier gab es also zwei weitere neuartige Spielfiguren. Der Mann oder Rat konnte als „kämpfender König“ wie dieser ziehen, aber ohne dessen Beschränkungen durch mögliche Schachgebote. Der Schleich (Rat der Königin) konnte ein Feld horizontal oder vertikal ziehen. Die Königin entsprach nicht der heutigen Dame, sondern zog wie der mittelalterliche Fers, die Vorläuferfigur der Dame, ein Feld diagonal. Die Bauern hatten zudem nicht den Doppelschritt in die vierte Reihe zur Verfügung. Die Regeln kannten von den neuen Figuren abgesehen nur geringe Abweichungen zum Schach. Die Einzelheiten zur Bauernumwandlung und hinsichtlich der Rochade (bzw. des Königssprungs) sind unklar.

Nach Selenus waren schließlich einige Anfangszüge festgelegt. Beide Parteien bewegten die Bauern vor den Türmen und der Königin jeweils zwei Schritte vor. Die Königin machte einen einmaligen Freudensprung ins dritte Feld. Solche Ausgangsstellungen, sogenannte Tabijen, waren im mittelalterlichen Schach prinzipiell nicht unbekannt. Die Eröffnung des Kurierspiels wurde überdies in die Regeln des Ströbecker Schachs integriert.

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© Michael Woltmann